RLSW R4 + Weihnachtsfeier

Dienstag, 26 Dezember 2017 21:52

Mit deutlicher Verspätung, für die ich mich erst mal nicht entschuldigen möchte, erscheint also dieser Artikel über den Mannschaftskampf Garching 3 – IrgendwoImNirgendwo 1 (wobei letzteres auch den Namen „Marktoberdorf“ tragen soll, zumindest nach dem was ich gehört habe). Vorab 3 Dinge, die der Leser wissen sollte, bevor er anfängt zu lesen:

 

1. Ich wünsche eine schöne und besinnliche Weihnachtszeit/Jahreswende!

2. Der Grund, warum dieser Artikel überhaupt erscheint, ist die ominöse Tatsache, dass mich mitten in der Nacht bzw. am frühen Morgen der Drang überkam, mich über das letztlich doch berichtenswerte Erlebnis in IrgendwoImNirgendwo (kurz IIN) auszulassen. Jaja, immer diese Nebensätze... manche Leute können sich halt einfach ausdrücken :-)

3. Eventuelle Tippfehler sind auf die Uhrzeit, zu der dieser Artikel verfasst wurde, zurückzuführen.

 

Jetzt also zum eigentlichen Kern der Sache.

Alles in allem war das Erlebnis IIN (Datum übrigens 10.12.2017) für mich ein sehr positives. Es passte einfach alles zusammen: Die Fahrten hin und zurück, das Spiellokal unserer Gastgeber, dessen Equipment, die Bewirtung, die Leute persönlich, die Weihnachtsfeier danach... ach, und schachlich wurde zwar nur Mist gebaut, aber das ist ja völlig unwichtig. Doch alles der Reihe nach.

Ich musste zunächst einmal sehr früh aufstehen, für mich ein ewiger Greuel, um ausnahmsweise pünktlich um 8:00 am Treffpunkt unserer Autofahrer Hans und Sven anzukommen, die sich dankenswerterweise für die schwierige Mission „Anfahrt IIN“ gemeldet hatten. Im Gegensatz zu den Fahrern fand ich sowohl Hin- als auch Rückfahrt sehr unterhaltsam, weil ich jeweils zwei Stunden Zeit zum Schlafen hatte. (Dadurch hab ich auf der Rückfahrt recht wenig vom Schneefall mitbekommen, der unseren Fahrern doch eher ein Dorn im Auge zu sein schien.)

So, um halb 10 angekommen in IIN. Erster Eindruck: Eher ländlich, keine Block- und Reihenhäuser, wirkt etwas verlassen. Aber die Einwohner IINs befinden sich offenbar im Besitz von Autos, in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass hier doch bereits die westliche Zivilisation eingekehrt ist. Also, alles in allem hat der Ort etwas Idyllisches.

Wir betreten also das Spiellokal. Erster Eindruck: Unsere Mannschaft ist bereits vollständig angerückt, von den Gegnern fehlt jede Spur. Haben sie sich etwa aus dem Staub gemacht, aus Respekt vor unserer Übermacht? Ah, nein, da kommt ja einer. Ein netter älterer Herr, zeigt uns die Räumlichkeiten. Und die sind sehr interessant eingerichtet: Zunächst einmal befinden sich die Bretter 1 und 2 getrennt von den restlichen Brettern in einem eigenen Raum. Wahrscheinlich, um den VIP-Status derer zu verdeutlichen, die an ebenjenen spielen sollen. (Anmerkung: Da ich an 2 gesetzt war, freute mich dies umso mehr.) Auch die Figurensätze sind sehenswert mit einer für mich neuen Farbgebung; sie veranlassen mich, einen Mannschaftskollegen zu fragen, ob er an diesem Spieltag weiß oder rot hat. Die Schachuhren sehen den unseren überraschenderweise sehr ähnlich, abgesehen davon dass sie ganz rot gefärbt sind. Der Blick wandert von den Figurensätzen zu der Einrichtung des Raumes mit den Brettern 3 bis 6, und die haut mich definitiv um. An der einen Seite ist die Wand vollständig mit etwas tapeziert, was ich in meiner Ahnungslosigkeit als „moderne Kunst“ bezeichne (was in meinen Augen kein Kompliment ist!); auf der anderen Seite befindet sich ein Whiteboard, auf dem ganz oben in Großbuchstaben „WINTERSPAZIERGANG“ steht. Darunter eine ansehnliche Liste von Wörtern, die alle aus Buchstaben gebildet zu sein scheinen, die in „WINTERSPAZIERGANG“ vorkommen (z. B. REITEN, ZIER, NAGER, SPATZ usw.). Bei näherer Betrachtung dieser Wörterliste stellt sich heraus, dass einige Mitspieler (sofern man davon ausgeht, dass diese Wörter im Rahmen eines kompetitiv angelegten Spiels entstanden sind) wohl nicht besonders kreativ waren. So folgt auf REIZ direkt das Wort ZIER – wer erkennt, was ich meine? - und es kommen natürlich auch WINTER (an erster Stelle, wer hätte das gedacht) und GANG vor. Bei der ganzen Sache ist mir schleierhaft, warum dann nicht jemand das besonders lange und schwierige Wort SPAZIERGANG bildet und damit angibt. Aber naja, man muss schließlich fair bleiben... Da kommt in unserer von Superhirnen besetzten Mannschaft eine weitere These zur Entstehung der Whiteboard-Aufschrift auf: Möglicherweise waren ursprünglich alle Wörter außer WINTERSPAZIERGANG gegeben und es galt, das Wort WINTERSPAZIERGANG zu finden? Das ist in meinen Augen schon anspruchsvoller, Respekt. Falls denn diese These zutreffen sollte. Nachdem wir uns also lange Zeit analytisch mit diesem Wortspiel beschäftigt haben, entdeckt jemand – einen Softball!!! Die logische Folge ist, dass wir bis zum offiziellen Spielbeginn Fußball im Schachraum spielen. Hut ab, da haben unsere Gastgeber echt was gefunden, um uns zu beschäftigen. Sonst langweilt man sich ja immer, bis die endlich Runde anfängt! Also nochmal zusammengefasst: moderne Kunst, Whiteboard mit Wörterrätsel, Softball zum Spielen – und eine Küche mit soviel belegten Brötchen und Getränken zu guten Preisen, dass jeder sich vollstopfen kann. Das grenzt ja schon an ein 6-Sterne-Hotel!

Nach den Partien ging es dann direkt zur Weihnachtsfeier unseres Vereins und – ach ja, die Partien. Also gut, für die die es unbedingt sehen wollen.

https://www.ligamanager.schachbund-bayern.de/bsb/pgn/partien.htm?ligaId=1252#runde4

Leute, die ihr die Partien anseht, ihr werdet es bereuen.

Wer wann fertig wurde, weiß ich nicht mehr, deswegen einfach nach Brettern sortiert:

Sven (1,weiß) bekam so ne komische Eröffnung aufs Brett, von der ich keine Ahnung hab. Seht selbst:

und so weiter. Schwarz bekam zwar noch einen Isolani verpasst und das Läuferpaar weggenommen, aber letztlich löste sich die Sache doch auf. 0,5-0,5

 

Ich (2,rot) fühlte mich schon toll angesichts des VIP-Platzes und vergeigte es von Anfang an. Und zwar folgendermaßen:

1-1

 

Hans (3,weiß) hatte eine beiderseits sehr durchwachsene Partie. Nach der Eröffnungsphase schien es erst mal ziemlich gut für ihn zu stehen, bis er taktisch etwas zu gewagt vorging. Er schnappte sich mit seinem Springer einen Turm auf a8, musste jedoch seinen schwarzfeldrigen Läufer dafür geben. Da daraufhin auch noch besagter Springer im Eck gefangen war, zog er seine Dame zu dessen Schutz nach a7. Also schön ins Abseits und vom Spielgeschehen weg. So schaffte es Schwarz, mit der Zeit den unrochierten König unter Druck zu setzen; das Ende kam ruckzuck:

1-2

Bei David (4,rot) lief die Eröffnung offenbar sehr gut und so war die resultierende Stellung keinesfalls zu beklagen. Doch irgendwie schaffte es sein Gegner, sich herauszuwinden und eine scharfe Stellung herbeizuführen, in der es mir sehr an Übersicht mangelte. David gab sogar einen Bauern, um die Sache zu verschärfen. Leider ohne Erfolg, denn ein paar Züge später ging ein ganzer Springer verloren. 1-3

 

Martin (5,weiß) und sein Gegner vollbrachten das Kunststück, aus dem Zweispringerspiel im Nachzug eine Stellung mit beiderseitigen Flügelangriffen zu kreieren: Weiß am Damenflügel, Schwarz am Königsflügel, wie im klassischen KI. Martins Angriff schien mir deutlich schneller durchzuschlagen, und sein Gegenüber sah das offenbar genauso, denn er opferte einen Läufer auf h3. Scheinbar inkorrekterweise, denn drei Züge später folgte die Aufgabe. 2-3

Simon (6,rot) vergeigte gleich mal die Eröffnung und das komplette Mittelspiel. Sein Gegner zum Glück auch, denn es mangelte ganz offensichtlich an Figurenkoordination, siehe PGN unten. So konnte der sonst so zaghafte Simon ein Figurenopfer auf h4 wagen, um dem gegnerischen König ein bisschen einzuheizen:

In dieser Stellung traute sich Simons Gegner nicht mehr weiterzuspielen und wiederholte die Turmzüge nach a3 und c3. 2,5-3,5

Zu Wolfgangs (7,weiß) Partie kann ich nicht viel sagen, außer dass sie gut war. Er kam mit angenehmer Position aus der Eröffnung, ließ nichts anbrennen und überlastete schließlich die gegnerische Dame, die ihrer Pflicht, einen Läufer zu decken, nicht mehr nachkommen konnte. 3,5-3,5

So lag es also an Korbinian (8,rot) das Blatt endgültig auf unsere Seite zu wenden. Das gelang auch, denn nach einem umkämpften Mittelspiel, in dem beide Spieler munter auf die Schwächen des anderen losgingen, opferte sein Gegner ohne jeden Anlass eine Qualität. Da schien es nur noch eine Frage der Zeit, bis Korbi seinen Materialvorteil in einen Sieg ummünzen konnte – auch wenn am Schluss noch etwas Glück im Spiel war. 4,5-3,5

Nachdem wir uns von unseren Gastgebern, die uns in jeder Hinsicht eine gute Show geliefert hatten, verabschiedet hatten, ging es wieder nach Garching zur Weihnachtsfeier. Der einzige, aber auch gute Grund, warum diese immer so gut besucht ist, ist natürlich das gigantische kalte Buffet! Aber bevor die Essensvernichter unter Joachims (unser Chef) Fuchtel zuschlagen dürfen, müssen die anwesenden Kinder (die sich zu meinem Leidwesen austobten) etwas Sehenswertes zum Besten geben, beispielsweise ein Lied, ein Gedicht, ein instrumentales Vorspiel oder auch was Originelles wie Denis' Verteilung von 8 Damen auf einem Schachbrett, deren mögliche Züge sich nicht kreuzen dürfen, und zwar blind (wobei die Position der ersten Dame von einem Zuschauer gegeben wird. Ich hab den Algorithmus immer noch nicht raus...). Dafür gibt’s dann eine Belohnung vom Nikolaus. Nun scheinen aber nach Helges (unser oberster Jugendleiter) Ansicht einige Mitglieder unseres Vereins nie dem Kindesalter zu entwachsen, sodass wie jedes Jahr ich und mein Sitznachbar Johannes auf die Kinderliste kamen. Doch leider, leider hatten wir nichts vorbereitet... zum großen Unmut der Anwesenden und vor allem Helges. Beschwichtigung erzeugte nur mein Versprechen, nächstes Jahr ein Gitarrenkonzert sowie eine Simultanvorstellung zu geben...

Und dann der lang ersehnte Moment: die Freigabe des Buffets! Also erstmal den Bauch vollschlagen und dann sich über verschiedenste Themen unterhalten. Das Thema „Waldorfschule“ wurde an meinem Tisch diesmal durch „Fortpflanzungsverhalten bestimmter Organismen aus dem Reich der Tiere“ ersetzt, das aber auf mindestens ebenso großen Zuspruch stieß. Da die Weihnachtsfeier diesmal im Gebäude des Werner-Heisenberg-Gymnasiums stattfand, in dem ich jahrelang gefangen war, fand relativ schnell jemand den Tischtennis-und-Kicker-Raum. Nur dummerweise stand auf den Kickertischen, dass man für die Herausgabe des Balls ein sogenanntes „Token“ benötigt. Da die Suche nach diesem rätselhaften „Token“ erfolglos blieb, blieben die Vorwürfe an mir als ehemaligem Schüler dieses Gymnasiums hängen... wie auch immer, nach dem traditionellen „Weihnachtstandem“ galt es also, noch etwas übriggebliebenes Essen vom Buffet einzupacken und diesen durchaus gelungenen Tag abzuschließen.

Bleibt mir also nur noch, allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018 zu wünschen! Und an meine Mannschaft: Weiter so!